Giraffe and Annika

RELEASEDATUM: 28. August 2020
GENRE: Adventure
USK: Ab 6 Jahren
PUBLISHER: NIS America
PLATTFORMEN: PlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox One, PC
GETESTET AUF: PlayStation 4

Das neuste Werk von Publisher NIS America trägt den Namen Giraffe and Annika. Auf den ersten Blick sind zwar keine Giraffen im Spiel zu erkennen, doch es zieht sich durch das gesamte Spiel, dass nichts so ist, wie es anfänglich den Anschein macht. Wir haben uns in der Haut von Annika auf die traumhafte Insel Spica begeben und verraten euch, wie uns das Adventure gefallen hat.

Von Katzen und Giraffen

Annika ist ein Katzenmädchen, das nach einem seltsamen Traum auf der Insel Spica erwacht. Sie ist vollkommen ohne Erinnerungen an ihre Vergangenheit, sodass ihr eine zufällige Begegnung mit dem Jungen Giraffe gerade Recht kommt. Dieser hat allerdings eine kleine Bitte, der Annika nachkommen muss: Sie muss drei auf der Insel verteilte Sternfragmente sammeln, die ihre Erinnerung zurückbringen können.

Mit von der Partie ist ebenfalls die Hexe Lilly. Diese dient vor dem Erhalt jedes Sternfragments als Bossgegner, gegen den wir in einem Tanzduell antreten müssen. Wie ihr seht, die Story scheint zunächst total wirr und sinnlos. Wieso müssen wir Tanzduelle gewinnen, um Sternfragmente zu sammeln? Wieso helfen wir einem Jungen namens Giraffe, dem wir gerade erst begegnet sind? All dies sind berechtigte Fragen, die glücklicherweise zum Ende des Spiels geklärt werden.

Wundervolle Inselwelt Spica

Die Insel Spica ist von kleinen Details gespickt. Zwar kann Giraffe and Annika auf Grafik-Niveau nicht mit heutigen Triple-A-Titeln mithalten, das muss es allerdings auch nicht. Die Insel enthält trotz einfacher Texturen an jeder Ecke Spielereien und Kleinigkeiten, an denen das Auge verharrt. Auch wenn die Insel klein ist, so kann man sich auf ihr durch die individuell gestalteten Ecken kaum verlaufen. Lediglich die Dungeons, in denen wir die Sternfragmente sammeln müssen, sind vom Detailgrad etwas heruntergeschraubt und etwas spärlich eingerichtet. Das machen die stimmungsvollen Lichteffekte allerdings wieder wett.

Die Insel Spica beschränkt sich auf ein mittelkleines Areal, das keine Schnellreisefunktion benötigt, um von A nach B zu gelangen. Die einzelnen Bereiche der offenen Spielwelt sind durch Abkürzungen miteinander verbunden, die man im Laufe des Spiels durch das Ergattern von Schlüsseln freischaltet. Obwohl die Insel nicht besonders groß ist und die Texturen eher einfach gehalten wurden, kam es bei der PlayStation-4-Version zu gelegentlichen Rucklern. Besonders das Flattern der Umgebung empfand ich beim Laufen als störend. Hinzu gesellten sich plötzlich aufploppende Texturen.

Die Stärke von Giraffe and Annika sind die wirklich wundervoll gestalteten Charaktere, die direkt aus einem Anime entstammen könnten. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir beispielsweise die Hasenmutter, die auf ihrem Rücken ihren jüngsten Spross trägt und uns auf unserer Reise mit ihrem leckeren Essen weiterhilft. Auch Annika ist mit ihren Katzenohren und dem Schwänzchen wirklich zuckersüß. Im Kontrast dazu stehen die etwas steif wirkenden Animationen, die den bezaubernden Charakteren etwas an Anmut rauben.

Auch die Musik zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Von melodischen Klaviertönen über etwas dramatischere Soundtracks ist alles dabei, was ihr für ein Abenteuer auf der Insel Spica benötigt.

Springen, rätseln und frustrieren

Innerhalb von Giraffe and Annika gibt es keinen einzigen Kampf. Erwartet also nicht, dass Annika im Laufe des Spiels Kampffähigkeiten erlernt. Vielmehr müsst ihr Geistern bzw. deren Attacken ausweichen, um in einem Dungeon ans Ende zu gelangen. In den Dungeons erwarten euch unterschiedliche Jump’n’Run Passagen wie beispielsweise die Fahrt mit einer Lore oder dem klassischen Plattformspringen. Die Jump’n’Run Passagen können allerdings aufgrund der etwas schwammigen Sprungsteuerung des Öfteren ins Auge gehen und für den einen oder anderen Frustmoment sorgen. Eine Stelle hat mich beispielsweise zehn Mal das Leben gekostet, bis Annika endlich das tat, was ich von ihr verlangte. Allerdings haben die Entwickler sehr faire Rücksetzpunkte gesetzt, sodass ihr bei einem misslungenen Sprung erneut ansetzen könnt.

Aber auch abseits der Dungeons erwarten euch viele Rätsel. Die Hasenmutter sucht beispielsweise ihre Kinder, sodass ihr bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Kinder einsammeln müsst. Ein anderes Mal müsst ihr Schreinen Opfer darbringen, deren Reihenfolge ihr auf nahegelegenen Tafeln findet. Einige Rätsel nutzen sogar den dynamischen Tages- und Nachtrhythmus der Insel, da manche Ereignisse nur zu bestimmten Uhrzeiten möglich sind. Die Zeit vergeht in Giraffe and Annika allerdings so schnell, dass ihr nicht lange warten müsst, falls ihr eine bestimmte Uhrzeit verpasst haben solltet.

Zeit für ein… Tanzduell?

In den drei Dungeons erwartet euch am Ende ein Tanzduell gegen die Hexe Lilly. Zu Beginn des Spiels habe ich mich gewundert, dass kein Schwierigkeitsgrad eingestellt werden konnte, was im Anbetracht der fehlenden Kämpfe auch gar nicht nötig ist. Bei den Tanzduellen könnt ihr hingegen vor jedem Start aussuchen, ob ich auf Einfach, Normal oder Schwer tanzen wollt.

Je nach Schwierigkeitsgrad feuern euch mehr oder weniger Kugeln um die Ohren. Treffen diese auf den Boden links bzw. rechts von euch, müsst ihr rechtzeitig eine bestimmte Taste drücken. Stimmt das Timing, so zieht ihr dem Gegner Leben ab und heilt euer eigenes. Trefft ihr daneben, verliert ihr allerdings Leben. Auf dem Schwierigkeitsgrad Schwer verliert ihr natürlich schneller Leben, sodass ihr aufpassen solltet, nicht aus dem Takt zu kommen. Typisch für solche Rhythmusspiele gibt es auch langgezogene Kugeln oder Kugeln, denen ihr ausweichen müsst.

Die Dungeons sind dabei unterschiedlich lang. Während mich der zweite Dungeon sehr lange auf den Bossgegner hat warten lassen, konnte ich beim ersten Dungeon sehr schnell das Ende erreichen. Zu Beginn des Spiels ist Annikas Fähigkeitenrepertoire zudem sehr eingeschränkt. Ihr könnt zu Beginn des Spiels nicht einmal springen, diese Fähigkeit erlernt ihr erst im Laufe des Spiels.

Was Annika als Katze natürlich überhaupt nicht leiden kann, ist das Schwimmen. Solltet ihr einmal schwimmen bzw. tauchen, so zieht euch dies Lebenspunkte ab. Dahingegen sind in der Welt blaue Kristalle verteilt, an denen ihr eure Lebenspunkte erholen könnt. Das Schwimmen ist aber auch nötig, um die in der Welt verteilten Meowsterpieces zu finden. In Schatztruhen findet ihr Zeichnung, die thematisch an die tollsten Wesen der Welt angelehnt sind – Katzen! Sammelt ihr genug Kunstwerke, erhaltet ihr neben Stempeln auch neue Kostüme, die ihr Annika anlegen könnt.

Wo ist meine Familie?

Nach den drei Dungeons erwarten euch zwei weitere Storyabschnitte, an deren Ende ihr ein Tanzduell bestreiten müsst. Nach rund fünf Stunden habe ich das Ende des Spiels erreicht – und das, obwohl ich nebenbei Spielpausen eingelegt habe, bei denen die Spielzeit weitergezählt wurde. Nicht umsonst gibt es eine Trophäe, die ihr erhaltet, wenn ihr das Spiel in unter 4:30 Stunden erledigt.

Die Geschichte wird im Comic-Stil erzählt. Euch erwarten Bilder mit Sprechblasen und Geräuschuntermalungen, in denen Annika immer mehr über ihre Gedächtnislücken erfährt. Ein bisschen schade ist es, dass Giraffe and Annika nur mit englischen Texten erscheinen wird. Allerdings wird hier so einfaches Englisch verwendet, dass selbst die Sprachmuffel unter euch der Geschichte gut folgen können. Schade ist es dennoch, dass das Spiel keine Sprachausgabe erhalten hat. Diese würde die Zauberhaftigkeit der Figuren noch einmal unterstreichen.

Am Ende der Geschichte erwartet euch ein richtiger Plottwist, mit dem ihr wahrscheinlich nicht gerechnet hättet, deshalb wird in diesem Test nicht zu viel darüber verraten. Ich sage euch nur eines: Es war unglaublich!

Positiv

  • Wundervoll designte Charaktere
  • Märchenhafte Story mit unerwartetem, spannendem Ende
  • Viele Spielereien auf der Insel Spica
  • Gut integrierter Tages- und Nachtrhythmus
  • Viele abwechslungsreiche Rätsel und Spielmechaniken

Negativ

  • Schwammige Sprungsteuerung, die für Frustmomente sorgt
  • Aufploppende Texturen
  • Ruckelnde Konturen der Umgebung
  • Fehlende Sprachausgabe nimmt den Charakteren etwas Lebendigkeit

Mit Giraffe and Annika haben Spieler ein märchenhaftes, kurzes Vergnügen. Die Charaktere sind wirklich liebevoll gestaltet und die Auflösung der Geschichte ist mir immer noch im Gedächtnis geblieben. Trotz der eher einfachen Texturen versprüht die Insel Spica durch ihre kleinen Details und zauberhaften Musik einen gewissen Charme. Ihr dürft deshalb keine aufreibenden Kämpfe erwarten, viel mehr wird um die Sternfragmente in Tanzduellen gekämpft. Im Kontrast zu den positiven Aspekten stehen die technischen Mängel wie die aufploppenden Texturen oder die schwammige Sprungsteuerung, die in diversen Jump’n’Run-Passagen für den einen oder anderen Frustmoment gesorgt hat. Doch trotz der technischen Mängel ist Giraffe and Annika ein tolles Spiel, das sich Fans von märchenhaften Erzählungen nicht entgehen lassen sollten!

Jasmin

Redakteurin

Unsere Wertung

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