Langrisser I & II

RELEASEDATUM: 13. März 2020
GENRE: Strategie-Rollenspiel
USK: Ab 6 Jahren
PUBLISHER: NIS America
PLATTFORMEN: PlayStation 4, Nintendo Switch

Langrisser dürfte einigen Spielern ein Begriff sein. Bereits 1991 erschien der erste Teil auf dem Mega Drive. Drei Jahre später erschien der zweite Teil ebenfalls auf Segas Heimkonsole. Jetzt, 26 Jahre später, erhalten beide Teile eine gemeinsame Remastered-Version und sind erstmals auf dem deutschen Videospielmarkt erhältlich. Denn bisher hatte es nur der erste Teil unter dem Titel „Warsong“ auf den amerikanischen Markt geschafft. In Asien kamen hingegen sechs Titel der Reihe sowie diverse Portierungen in den Handel, wobei der letzte Teil 1999 auf dem Dreamcast erschien. Wir haben Langrisser I & II auf der Nintendo Switch für euch getestet. Wie uns das Remaster gefallen hat, erfahrt ihr im folgenden „Getestet“.

Worum geht’s in Langrisser I & II

NIS America bringt am 13. März 2020 die Remastered-Version von Langrisser I & II für Nintendo Switch und PlayStation 4 auf den deutschen Markt. Am Spielprinzip wurde dabei in den letzten Jahren nichts geändert. Denn das „Schere-Stein-Papier“-Prinzip ist ein bewährtes Konzept und konnte sich in anderen bekannten Reihen durchsetzen. So bestehen eure Truppen anfangs aus nur drei Klassen: Schwertkämpfer, Lanzenträger und Reiter. Wie in dem beliebten Kinderspiel schlägt das Schwert die Lanze, die Lanze den Reiter und der Reiter das Schwert. Soweit das Grundprinzip. Langrisser verpackt das Prinzip in eine Welt voller Magie und Monster. Die beiden Teile haben prinzipiell nichts miteinander zu tun, außer dass der erste Teil auch zeitlich vor dem Zweiten spielt. Dennoch bietet das gesamte Langrisser-Franchise eine vage zusammenhängende Welt.

Die Geschichte von Langrisser I ist eine klassische Heldengeschichte. Als junger Prinz Ledin wird euer Königreich angegriffen und ihr müsst alles dafür tun, um es vor dem Bösen zu beschützen. Schnell wird klar, dass der als Bösewicht auftretende Kaiser nur der Anfang allen Übels ist. Auf eurer Reise trefft ihr neue Begleiter und eure Gefolgschaft wächst heran. Insgesamt habt ihr die Möglichkeit acht verschiedene Enden zu erspielen.

 

Der zweite Teil ist ein wenig frischer vom Grundansatz her. Hier spielt ihr den Schwertkämpfer Elwin, welcher auf der Suche nach Abenteuer durch die Lande streift. Zusammen mit eurem Freund Hein seht ihr, wie ein Dorf angegriffen wird und versucht, die Bewohner zu beschützen. Nichts ahnend, dass dies euer ganzes Leben verändern wird. Schnell wird klar, dass das angreifende Imperium nicht nur das Dorf überfällt, sondern hinter Liana her ist., welche zufälligerweise auch eine alte Freundin von Hein ist. Im Verlaufe der Geschichte werdet ihr immer wieder vor die Wahl gestellt, wodurch sich die Geschichte ändert. Prinzipiell gibt es vier Hauptpfade, denen ihr folgen könnt mit insgesamt 13 verschiedenen Enden. Wie bereits im ersten Teil trefft ihr auch hier auf allerhand Begleiter, die euch auf eurem Weg begleiten.

Im Vergleich zu neueren Titeln kann Langrisser I & II oft nicht mit der erzählerischen Tiefe mithalten. An vielen Stellen ist es recht offensichtlich, welcher der vermeintlich „gute“ Weg ist und welcher euch abtrünnig werden lässt. Was aber durchaus kein großer negativer Punkt ist, denn vielleicht ist es genau euer Ziel, diesen zu umgehen. Die vielen Begleiter, die ihr während eurer Reise kennenlernt, werden im Verlauf der Geschichte etwas genauer beleuchtet. Leider sind manche Begleiter von ihrem Charakter austauschbar und wirken beliebig. Da es sich jedoch um ein Remaster handelt und die Standards in den Jahren stark gestiegen sind, wollen wir gnädig bleiben. Im Vergleich mit neueren Titeln kann Langrisser somit durchaus standhalten, wird aber leicht angezählt.

Das Gameplay des neuaufgelegten Klassikers

Das eingangs erwähnte „Schere-Stein-Papier“-Prinzip erfreut sich damals wie heute großer Beliebtheit. Zur selben Zeit, in der Langrisser in Asien durchaus erfolgreich war, kamen auch die ersten Fire-Emblem-Teile auf den Markt. Einen großen und entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Titel gibt es, der Langrisser zu etwas Besonderen macht. Denn zu Beginn einer jeden Runde könnt ihr euren Helden und euren Begleitern Vasallen an die Seite stellen. Diese können dann selber gesteuert werden, oder aber ihr führt bestimmte Befehle aus, wodurch diese eigenständig angreifen oder euch folgen. So habt ihr schnell mehr als nur die eigentlichen fünf oder sechs Charaktere und könnt 30 oder mehr Einheiten taktisch einsetzen. Wie auch die Hauptcharaktere gehören die Vasallen verschiedenen Klassen an. Magier, Engel, Meermenschen oder auch Bogenschützen erweitern so das Dreiecks-Kampfsystem um weitere Faktoren. Um euch etwas an die Hand zu nehmen, wird in beiden Teilen der zu bekämpfende Gegner mit Symbolen versehen. Rote Pfeile bedeuten, dass ihr im Vorteil seid. Eure Unterlegenheit wird durch blaue Pfeile symbolisiert und ein Waagen-Symbol steht dafür, dass die Waffengattungen ausgeglichen sind.

Sinnvoll ist es darauf zu achten, dass eure Söldner sich in eurer Nähe befinden, denn Einheiten, welche sich direkt neben ihrem Kommandanten befinden, werden zu Beginn einer jeden Runde geheilt. Etwas entfernter stehende Einheiten bekommen einen Bonus auf die Statuswerte, welcher oft entscheidend sein kann. Die Gegner sind genauso in der Lage Vasallen zu beschwören. Sollte der Kommandant – egal auf welcher Seite – sterben, sterben auch die entsprechenden Söldner. Um genügend Erfahrung zu sammeln, kann es oft aber sinnvoller sein, den feindlichen Anführer nicht sofort zu töten. Denn die Erfahrungsmenge ist höher, wenn ihr die Einheiten einzeln besiegt. Mit jedem Levelaufstieg erhaltet ihr Punkte, mit denen ihr eure Helden weiter entwickeln könnt. Dadurch erlernt ihr neue Fähigkeiten, ändert eure Klasse und werdet vor allem stärker. Jeder Held hat seinen eigenen Weg, den er bestreiten kann. Verskillen könnt ihr euch dabei aber nicht. Denn mit genügend Punkten könnt ihr auch die anderen Klassen freischalten und vor jeder Runde wechseln.

Neue Runde – Neues Glück

Eine Partie läuft immer nach einem ähnlichen Schema ab. Die Helden betreten eine neue Karte und bringen in einem Gespräch die Geschichte voran. Anschließend erscheinen die Gegner auf der Karte und der Kampf beginnt. Jeder Held und seine Söldner haben einen bestimmten Bewegungswert, mit diesem können sie sich auf dem schachbrettartigen Spielfeld bewegen. Im Anschluss kann noch ein einfacher Angriff ausgeführt werden, dann ist der Held gezwungen auf die nächste Runde zu warten. Im Vergleich zu anderen Vertretern des Genres ist es nicht mehr möglich, Zauber zu wirken oder andere Fähigkeiten einzusetzen. Dies ist oft ärgerlich und zieht eine Partie künstlich in die Länge. Häufiger kam es auch vor, dass meine zaubernden Einheiten ein nutzloses Dasein fristeten, da sie den Helden immer nur hinterherliefen, während diese alle Gegner vernichteten. Vor allem aber ist es ärgerlich, weil die Einheiten so kaum Erfahrungspunkte sammeln konnten. Erfahrung generiert man nämlich nur durch das Besiegen von Einheiten oder dem Wirken von Zaubern. Haben alle Charaktere ihren Zug beendet, muss der gesamte Zug noch manuell im Menü beendet werden, dies geschieht nicht automatisch. Leider lassen sich die anschließenden Züge der Verbündeten und Gegner auch nicht überspringen, sodass man überzogen gesagt in großen Schlachten noch schnell auf Klo kann, bevor der eigene Zug wiederbeginnt. Auch andere Komfort-Features, die man aus ähnlichen Spielen kennt, haben keinen Einzug in Langrisser I & II erhalten. So können die Aktionsradien der Gegner zwar aktiviert werden, jedoch nur für einzelne Einheiten und müssen anschließend auch manuell wieder deaktiviert werden. Dadurch kann es schnell umständlich werden, die Gegner immer wieder an- und abzuwählen, oder man rennt versehentlich mit den eigenen Einheiten in den sicheren Tod. Glücklicherweise können die Kampfsequenzen übersprungen und im Menü vollständig deaktiviert werden.

Nach Abschluss einer Runde erhaltet ihr häufig Items und Geld, mit dem ihr euch und eure Begleiter ausrüsten könnt. Das Mikromanagement in Langrisser I & II ist identisch und recht minimalistisch. Jeder Held kann drei Arten von Items tragen: eine Waffe, eine Rüstung und ein Medaillon. Die entsprechenden Gegenstände haben Werte, die eure Statuswerte verbessern. Solltet ihr nicht die entsprechende Ausrüstung haben, könnt ihr diese auch im Shop kaufen und auch verkaufen, um etwas Geld zu erhalten. Durch das oben erwähnte Entwickeln der Charaktere erhalten diese neue Fähigkeiten, welche euch passive Boni geben und ihr erlernt gegebenenfalls neue Zauber. Eine Begrenzung für Zauber gibt es dabei nicht. Die aktivierten Fähigkeiten sind jedoch auf zwei beschränkt.

Eine Grafische und akustische Umgarnung

Grafisch kann Langrisser I & II durchaus überzeugen. Die Charaktere sind liebevoll und haben eine eigene Persönlichkeit. Die Spielwelt ist für eine Übersichtskarte recht detailliert und hält sich dabei an die Vorbilder von damals. Wer den Look vom Anfang der 90er Jahre lieber mag, kann auch zu jeder Zeit zwischen den Darstellungen wechseln. Seien es die Charaktere oder die Karten, ihr könnt entscheiden, welche Version ihr nutzen wollt, auch eine Kombination aus beiden Versionen ist möglich. Besonders gelungen ist die Vertonung. Diese ist komplett auf Japanisch und jedes Gespräch ist vertont worden. Die Stimmen der jeweiligen Charaktere wirken glaubhaft und auch wenn man die Helden nicht versteht, entsteht so ein runderes Spielgefühl. Leider ist nicht nur die Vertonung nicht auf Deutsch, sondern auch die Textausgabe. Denn Langrisser I & II sind komplett auf Englisch.

Positiv

  • 20 Speicherstände pro Spiel
  • Wechsel zwischen Original und Remaster
  • Interessante Story
  • Komplette und passende Vertonung
  • Söldner bringen mehr taktische Tiefe

Negativ

  • Teilweise lange Ladezeiten
  • Fehlende Komfortfunktionen
  • Keine deutsche Textausgabe
  • Fehlender Storytiefgang

Langrisser I & II ist eine gelungene Neuauflage der Mega-Drive-Titel. Beide Titel verfügen über eine zeitlose Geschichte, auch wenn der heutzutage zum Standard gewordene Tiefgang fehlt. Früher war es eben nicht normal jedem Charakter mehrere Spielstunden zu widmen. Auch fehlen einige Komfortfunktionen, die Langrisser I & II etwas schneller machen würden, wie das Überspringen der Züge. Dies sind aber nur vergleichsweise kleine Mäkel. Ein etwas tiefer gehendes Mikromanagement wäre schön gewesen, aber auch hier haben sich aktuelle Vertreter des Genres jahrelang hin entwickelt. Die Vertonung und der neue grafische Stil wissen zu überzeugen. Insgesamt merkt man dem Titel seine Erstveröffentlichung von vor gut 30 Jahren an, dennoch bietet Langrisser I & II eine Menge Spaß und kann einige Stunden begeistern.

Kevin

Redakteur

Unsere Wertung

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