Nexomon: Extinction

RELEASEDATUM: 28. August 2020
GENRE: Adventure, RPG
USK: Ab 6 Jahren
PUBLISHER: PQube
PLATTFORMEN: PlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox One, PC
GETESTET AUF: Nintendo Switch

Moment mal… „mon“? Handelt es sich bei dem Spiel etwa auch um einen Taschenmonstersammelspaß á la Digimon und Pokémon? Richtig! Erst kürzlich erschien mit Temtem ein ernstzunehmender Konkurrent der Franchises, der auf Multiplayerelemente setzte. Nexomon: Extinction möchte ebenfalls in die Riege mit einsteigen und versucht, einige Dinge anders zu lösen als die populäreren Vertreter des Genres. Wie sich Nexomon: Extinction abheben möchte und wie uns der Ausflug in das Spiel gefallen hat, verraten wir euch im folgenden Test.

Vom Waisenkind zum Abtrünnigen

Das würde sich jeder von uns wünschen, oder?

Nexomon: Extinction nimmt sich an vielen Stellen selbst auf die Schippe und das wird euch schon in der allerersten Sequenz bewusst. Gezeigt wird hier eine Welt, in der Menschen und Nexomon glücklich und zufrieden miteinander in Harmonie leben. Laaangweilig, findet ihr nicht? Das dachten sich auch die Entwickler, denn in Nexomon: Extinction herrscht wahrlich Krieg! Ein besonders fieses Nexomon namens Omnicron möchte die Weltherrschaft an sich reißen und hat das Zeitalter der Zerstörung eingeleitet. Viele Tyrann-Nexomon eifern ihm fleißig nach, um es an die Spitze der Nahrungskette zu schaffen. Anders als in Franchises wie Pokémon werdet ihr hier also mit der harten Realität konfrontiert und findet euch inmitten einer tobenden Schlacht wieder.

Die Umstände sowie die fortlaufende Geschichte des Titels sind seine besondere Stärke. Denn schon zu Beginn sehen wir einen Ausschnitt aus der Zukunft und es wird klar: Die Tamer der Gilde stehen gegen uns! Wie es dazu gekommen ist? Das erfahrt ihr in der über zehnstündigen Geschichte, die durch humorvolle und spannende Zwischensequenzen erzählt wird. So arbeiten wir uns vom anfänglichen Waisenkind zum Tamer mit steigendem Rang hoch, bis wir schließlich die gesamte Gilde verraten. Doch aus welchem Grund? Das möchten wir euch an dieser Stelle nicht verraten, widmet euch dem Spiel am besten selbst!

Besonders liebenswert sind die Charaktere, die mit Charme nur so um sich sprühen. Besonders unser katzenartiger Begleiter schmeißt einen flotten Spruch nach dem anderen um die Ohren, die auch gerne mal die dritte Wand durchbrechen und den Spieler direkt adressieren. Schade ist einzig und allein, dass in den Dialogen zahlreiche Rechtschreibfehler und sogar vergessene Programmierungscodes auftauchen. Allein in den ersten 20 Minuten sind mit drei Fehler aufgefallen. Hier haben die Übersetzer leider keine allzu gute Arbeit geleistet…

Ein Tamer, sie alle zu… fangen

Ein weiterer Pluspunkt sind die zu Beginn über 300 fangbaren Nexomon. Selbst zu Beginn des Spiels stehen euch als Starter nicht nur drei, sondern ganze neun Nexomon zur Auswahl. Ähnlich wie in anderen Genrevertretern sind die Nexomon in neun unterschiedliche Elementtypen eingeteilt, wobei manche Elemente gegen andere mehr oder weniger effektiv sind. Spieler von Pokémon müssen sich hier nicht großartig umgewöhnen, es gibt viele Elementzusammenhänge, die sich überschneiden, wie beispielsweise die Überlegenheit von Wassernexomon gegenüber Nexomon vom Typ Feuer. Natürlich können eure Nexomon gegen andere antreten, im Level aufsteigen, Attacken lernen, ihre Statuswerte erhöhen und sich mitsamt einem neuen Aussehen entwickeln.

Gleich zwei Fehler in einem Satz…

Das Fangen eines Nexomon besteht aber nicht aus dem bloßen Werfen eines Balles. Vielmehr gibt es sogenannte Nexotraps, mit denen ihr die Monster einfangen könnt. Unterschiedliche Fallenarten haben für unterschiedliche Elementtypen eine andere Fangchance. Sehr positiv ist mir hier aufgefallen, dass euch zu jeder Zeit die Fangchance im Fangmenü angezeigt wird.  Um diese zu erhöhen, müsst ihr dem gegnerischen Nexomon Leben entziehen und ihm einen negativen Statuseffekt verpassen. Falls euch das nicht ausreicht, könnt ihr es zudem mit verschiedenen Lebensmitteln anfüttern, um sein Vertrauen zu gewinnen. Als letzter Ausweg bleibt es noch, die passende Art der Nexotrap zu verwenden. Und dann beginnt auch schon der Fangprozess, bei dem ihr allerdings selbst aktiv werden müsst.

Fledermäuse, Giraffen und Co.

Innerhalb von wenigen Sekunden müsst ihr eine bestimmten Tastenreihenfolge drücken, die euch in einem Kreis um eure Hand angezeigt wird. Flinke Finger sollten mit dem Tastengedrücke keine Probleme haben, es ist also eine nette Spielerei als Fangmechanismus.

Die Farbgebung vieler Areale ist sagenhaft.

Der Kampf an sich verläuft rundenbasiert. Jede Runde müsst ihr wählen, ob ihr das gegnerische Nexomon fangen oder attackieren wollt. Andernfalls könnt ihr das Nexomon austauschen, fliehen oder einen Gegenstand einsetzen. Bei euren Nexomon habt ihr die Wahl zwischen vier verschiedenen Attacken. Jedoch hat, anders als beispielsweise in Pokémon, nicht jede Attacke eine bestimmte Anzahl an Angriffspunkten. Vielmehr besitzen eure Nexomon Ausdauer, die mit dem Einsatz der Attacken unterschiedlich schnell sinkt.

Die Animationen der Attacken in Nexomon: Extinction sind eher dürftig gehalten. Dies bringt Vorteile, aber auch Nachteile mit sich. Zwar spart man sich so Zeit, wenn nicht bei jeder Attacke ein Effektfeuerwerk auf den Spieler wartet. Allerdings wäre es eine mögliche Option, das Einblenden von Effekten optional zu halten, damit man epische Kämpfe gegen stärkere Gegner genießen kann und es nicht nur bei dem Einblenden einer Krallenspur oder Hand- und Fußabdrücken bleibt.

Das Design der Nexomon ist sehr variantenreich. Von süßen, niedlichen Tieren über angsteinflößende Wesen bis hin zu mächtigen Kreaturen sollte für jeden Tamer etwas dabei sein. Die Nexomon wirken auch nicht wirklich von anderen Genrevertretern abgekupfert. Hier und da fallen natürlich Parallelen auf, allerdings machen es Pokémon, Digimon und Co. auch sehr schwer, einen noch nicht als Vorlage genutzten Gegenstand oder ein bisher noch nicht verwendetes Tier zu finden, das als Nexomon dienen könnte.

Von der hitzigen Wüste bis zur eisigen Tundra

Ein weiterer Punkt, den Nexomon: Extinction von anderen Genrevertretern unterscheidet, ist die zu beginn komplett offenstehende Welt. Es kommt nur selten vor, dass euch NPCs oder Elementbarrieren den Weg versperren, so könnt ihr direkt zu Beginn des Spiels nahegelegene Areale erkunden. Zwar bringt es euch nicht in der Geschichte voran, andere Orte als vorgesehen zu besuchen, jedoch könnt ihr in den unterschiedlichen Gebieten Nexomon mit anderen Elementen fangen.

Kein Effektfeuerwerk, eher rudimentär.

Die Areale gleichen sich nämlich nur selten. Von einer gruseligen Geisterstadt bis hin zur japanisch anmutenden Dracheninsel gibt es in Nexomon: Extinction so ziemlich jede Klimazone, die man sich vorstellen kann. Auch die Kleidung der NPCs, die Flora und Fauna, die Farbgebung sowie die Hintergrundmusik passen sich den einzelnen Gebieten an. In klassischer 2D-Optik streift ihr durch die bildhübsche Welt. Etwas schade ist hier die Vier-Wege-Steuerung, weshalb ich euch von der Nutzung des Joysticks aufgrund der Ungenauigkeit abraten würde. Vielmehr ist die Steuerung hier auf das Steuerkreuz ausgelegt.

Bei der Gestaltung der NPCs haben sich die Entwickler von VEWO Interactive Inc. Besonders viel Mühe gegeben. Das fängt schon damit an, dass wir das Aussehen unseres Charakters während des gesamten Spiels aus einer vorgefertigten Auswahl aussuchen können. Über die Wahl der Charaktere in Chibioptik kann man sich streiten, für mich integrieren sie sich optisch gut in die Spielwelt. Neben den bereits erwähnten humorvollen Situationen fällt zudem auf, dass die Gefühle der Charaktere durch Sprechblasen über den Köpfen ausgedrückt werden. Für den Abenteuer in 2D-Optik ist dies eine gute Lösung, die Charaktere näher zu bringen.

Ein langer, steiniger Weg

Anders als in Pokémon, wo ihr einen Arenaleiter nach dem anderen besiegen müsst, warten in Nexomon abwechslungsreichere Aufgaben. In der Hauptgeschichte müsst ihr zwar ab und an einen starken Gegner bezwingen, allerdings warten auch noch andere Aufgaben auf euch, die wir aus Spoilergründen nicht näher erläutern wollen. Zusätzlich warten noch zahlreiche Nebenaufgaben, die euch Geld, Gegenstände oder andere Belohnungen einbringen. So seid ihr gut damit beschäftigt, eure Nexomon zu stärken.

Beim Fangen ist Geschick gefragt.

Gerade zu Beginn erhalten eure Nexomon nur wenig Erfahrungspunkte. Der Schwierigkeitsgrad wirkt etwas höher als in anderen Genrevertretern. Mit der Zeit findet ihr zwar Kerne, die eure Nexomon noch weiter verstärken, allerdings hatte ich bei jedem schweren Gegner das Problem, dass meine Nexomon vom Level etwas zu niedrig waren. Der Vorteil von Nexomon: Extinction ist, dass die Gegner mit euch mitleveln! Das heißt, kommt ihr an einer Stelle nicht weiter, könnt ihr beruhigt Anfängergebiet zurück, weil es nur dort Wassernexomon gab. Denn hier warten eurem Fortschritt angepasste Nexomon, die direkt in euer Team integriert werden können.

Die Häufigkeit an Kämpfen, die ihr erleben wollt, könnt ihr übrigens getrost selbst bestimmen. Anders als in anderen Titel fallen hier zufallsbasierte Kämpfe (fast) komplett weg. Vielmehr seht ihr auf der Oberwelt wackelnde Büsche, die im Sekundentakt ihre Position wechseln. Diese beherbergen die wilden Nexomon, die ihr bei Bedarf fangen könnt. Auch den in der Gegend umherstehenden und auf euch wartenden Tamern könnt ihr meistens aus dem Weg gehen, indem ihr deren Blickkontakt meidet. So bestimmt ihr selbst das Tempo des Spiels, dürft euch aber nicht wundern, falls eure Nexomon zu schwach oder eben zu stark für einige Kämpfe sein sollten!

Mit dem Fortschreiten in der Geschichte leben nicht nur eure Nexomon, auch ihr selbst steigt im Rang der Gilde auf. Bei eurer Reise beginnt ihr mit dem Bronze-Rang, der euch noch nicht viele Möglichkeiten bei der Auswahl der Shops bietet. Mit fortschreitendem Rang könnt ihr mehr Items erwerben. Ebenso ist es euch zu Beginn noch nicht möglich, Häuser zu betreten, denn ihr müsst euch zunächst den Respekt der NPCs durch eure heldenhaften Taten verdienen. So schmeißen euch NPCs auf dem Bronzerang noch unfreundlich aus deren Häusern heraus. Im Nachhinein klingt es auch sehr unlogisch, einfach so fremde Häuser zu betreten und dann einen freundlichen Empfang zu erwarten… oder?

Etwas mehr Komfort, bitte

Etwas enttäuschend ist die umständliche Menüführung in Nexomon. Hier hätte es gutgetan, die Touchfunktion der Switch mit einzubauen, aber selbst im Handheldmodus ist es leider nicht möglich, beispielsweise die Plätze von Nexomon zu tauschen. Ihr könnt lediglich in das Nexomon Menü gehen und ein Nexomon bestimmen, dass als euer Hauptnexomon als erstes im Kampf fungieren soll. An sich sind die Menüs zwar gut strukturiert, doch diese Komfortfunktion vermisst man, wenn man andere Genreverteter gewohnt ist.

Ebenfalls umständlich gestaltet ist die Lagerbox eurer Nexomon. Hier landen automatisch alle Nexomon, die ihr nicht im Sechserteam dabeihaben möchtet. Sendet ihr allerdings ein Nexomon in die Lagerbox, so nimmt es auch alle ausgerüsteten Kerne mit sich. In der Box an sich gibt es leider keine Schnellansicht, die ersichtlich macht, ob das Nexomon einen Kern trägt. Hier bleibt nur, alle Nexomon durchzuklicken, sie kurz ins Team nehmen, die Kerne entfernen und sie wieder in die Lagerbox zu packen. Eine automatische Funktion, die Kerne zurück ins Menü legt oder euch zumindest daran erinnert, welches Nexomon in der Box Kerne trägt, wäre hier von Vorteil gewesen.

Die allseits bekannte Qual der Wahl.

Schade ist es zudem, dass ihr bereits gesehene Zwischensequenzen nicht überspringen könnt. Oft bin ich an stärkeren Gegnern gescheitert und musste mir bei jedem erneuten Versuch das Vorgeplänkel erneut anhören. Fairerweise setzt das Spiel aber bei jedem Betreten eines neuen Areals einen Speicherpunkt, sodass ihr nicht von einem ganz anderen Gebiet starten müsst, wenn ihr das Speichern verpennt.

Doch die wichtigsten Komfortfunktionen wie die Schnellreise per Warpstein sind bereits früh im Spiel zugänglich, sodass ihr beim Reisen nicht viel Zeit verlieren müsst. Auch das automatische Speichern möchte ich nicht mehr missen müssen, obwohl es im gesamten Spieldurchlauf nicht einmal zu einem Spielabsturz gekommen ist. Auch so sind technische Macken nicht an der Tagesordnung, selbst im Handheldmodus läuft der Titel einwandfrei. Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet.

Positiv

  • Detaillreiche, offene Welt mit wunderschönen, unterschiedlich designten Arealen
  • Humorvolle Charaktere mit aberwitzigen Dialogen
  • Spannende Geschichte, die mit einigen Wendungen daherkommt
  • Über 380 sammelbare Nexomon mit unterschiedlichen Elementtypen
  • Spieltempo durch Umgehen von Kämpfen selbst bestimmbar

Negativ

  • Zahlreiche Rechtschreibfehler in den Dialogen
  • Fehlende Komfortfunktionen, beispielsweise in der Menüführung
  • Durch Vier-Wege-Steuerung beschränkte Fortbewegung

Auf keinen Fall sollte man Nexomon: Extinction als billigen Abklatsch berühmterer Vertreter wie Pokémon titulieren. In manchen Belangen macht Nexomon: Extinction vieles richtig. Die Welt ist offen, prägt sich durch die unterschiedlichen und detaillreich gestalteten Areale schneller ins Gedächtnis ein und wirkt durch die humorvollen und individuellen Charaktere immersiver als bei so manch anderem Genrevertreter. Die Geschichte steht hier zudem im Fokus des Geschehens und berechtigt nicht nur die Existenz des Spiels, sondern führt den Spieler in einem wechselnden Bad der Gefühle zum Ende. Noch nie habe ich so bis zum Ende mitgefiebert wie hier. Zu einigen Abstrichen in der Wertung führen hingegen fehlende Komfortfunktionen, aber trotzdem kann ich Nexomon: Extinction nur jedem sammelwütigen Fan empfehlen, der auch eine schmackhafte Story und witzige Dialoge serviert bekommen möchte. Das Spiel kann anderen Genrevertretern definitiv das Wasser reichen.

Jasmin

Redakteurin

Unsere Wertung

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